Reiserücktrittsversicherung – Vorsicht bei zu später Reiseabsage


Das
AG Coburg (Az.: 11 C 684/08) und das LG Coburg (Az.: 32 S 7/09)
hatten die Frage zu klären, ab wann eine Reiserücktrittsversicherung
von ihrer Leistung frei wird. Insbesondere ging es darum, wann ein
Versicherungsnehmer gemäß den Versicherungsbedingungen durch
verspätete Stornierung grob fahrlässig handelt.

Der
Versicherungsnehmer buchte neun Monate vor Reisebeginn eine Busreise
und schloss gleichzeitig eine Reiserücktrittsversicherung ab. Etwa
vier Monate vor Reisebeginn wurden ihm Zehen amputiert. In der Folge
kam es zu Wundheilungsstörungen, die eine tägliche Betreuung durch
eine Pflegekraft erforderlich machten. Nur zwei Monate vor
Reiseantritt war eine Nachoperation nötig. Der Versicherungsnehmer
stornierte die Reise 7 Tage vor dem Reisebeginn. Die Versicherung
verweigerte den vollen Ausgleich der Stornokosten mit dem Hinweis,
dass die Reisestornierung nicht auf einer unerwarteten schweren
Krankheit beruht. Nach Ansicht der Versicherung war es von Anfang an,
spätestens aber seit den Wundheilungsstörungen fraglich gewesen, ob
er die Reise antreten kann.

Dieser
Ansicht ist das Gericht gefolgt und macht noch einmal deutlich, dass
gemäß den Versicherungsbedingungen der Versicherungsnehmer zu einer
unverzüglichen Stornierung verpflichtet ist, wenn er nicht auf einen
optimalen Heilungsverlauf vertrauen darf. Das Gericht sah es als
erwiesen an, dass der Versicherungsnehmer nach der ersten Operation
reiseunfähig war und der Versicherungsfall eingetreten war. Aufgrund
der Wundheilungsstörungen durfte er nicht mehr darauf vertrauen,
dass er die Reise antreten kann.

Fazit:
Wenn die Reiserücktrittsversicherung eine Regulierung aufgrund
verspäteter Stornierung ablehnt, muss der Versicherungsnehmer
vortragen, warum er davon ausgehen durfte, dass ein Reiseantritt doch
noch möglich ist. Dazu kann ein ärztliches Attest dienen, dass die
Reise mit dem behandelnden Arzt besprochen wurde und dieser die
Teilnahme nicht ausgeschlossen bzw. nicht für unwahrscheinlich
erachtet hat.


Die
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relevanten Rechtslage hier nicht möglich ist und daher eine professionelle
Beratung nicht ersetzt. Trotz sorgfältiger Bearbeitung bleibt eine Haftung ausgeschlossen.



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